Cleveres Paketschloss löst zwei Logistikprobleme auf einmal

Lockbox ist ein Startup aus Berlin, das in Kürze ein ebenso simples wie cleveres Schloss für Päckchen anbieten will. Wie es scheint, haben die Anbieter ihre Idee noch unterschätzt, denn ganz nebenbei könnte man damit auch Retouren deutlich vereinfachen.

Bei mir geht meistens alles gut, wenn der Paketmann ein Päckchen beim Nachbarn abgibt oder im Treppenhaus hinterlegt. Aber was ist, wenn die Nachbarn nicht so zuverlässig sind oder der Bote das Paket wieder mitnimmt, wenn niemand öffnet?

Das Startup Lockbox hat sich hier ein interessantes Konzept überlegt: ein kleines Paketschloss für den Hausgebrauch und dazu passend eine wiederverwendbare rote Box für Paketboten. Das System wäre die Lösung für gleich mehrere Probleme.

Kein Schlüssel, keine Pin, keine Schere nötig

In einer Animation zum Produkt stellt Lockbox eine viel beschäftigte Großstädterin vor, die selten zu Hause ist, ihre Lebensmittellieferung aber trotzdem gerne vorfinden möchte, wenn sie abends nach Hause kommt. Hier käme Lockbox ins Spiel. Der Benutzer befestigt einen U-förmigen Anker einfach unter die Tür. Es kann nicht herausgezogen werden und hat auf der äußeren Seite eine Aussparung. Die abschließbare Box, die der Bote liefert, befestigt er mit einer Schlaufe an dem Anker. Das andere Ende schließt er ab:

Video zur Lockbox

Die ziemlich clevere Idee: Der Empfänger braucht weder eine PIN, noch einen Schlüssel, um die Lockbox zu öffnen. Das Drahtseil wird einfach entfernt, indem man die Schlaufe unter dem U-förmigen Haken durchschiebt. Und das kann nur der tun, der die Wohnungstür öffnet, im Idealfall also nur der Bewohner. Die Boxen selbst sind aus Hartplastik und mit einem einfachen Schloss gesichert. Sie lassen sich ohne den lästigen Aufwand des Entklebens mit Paketband wieder verwenden. Schloss und Box gibt der Nutzer dem Anbieter wieder zurück. Dafür zahlt er eine einmalige Kaution von 25 Euro.

Nie wieder Päckchen zukleben

Ganz nebenbei hätte Lockbox im damit auch das Problem des lästigen Ver- und Beklebens von Päckchen gelöst. Im Prinzip zumindest, denn Lockbox ist in erster Linie für eilige Waren wie Nahrung oder Medikamente und eine schnelle Lieferung gedacht. Eine Retoure und die Nutzung durch Fernkuriere wie Hermes oder DHL scheint zu diesem Zeitpunkt nicht vorgesehen. Hier würde auch das Prinzip mit dem Schloss nicht mehr funktionieren. Die clevere Öffnung funktioniert nur mit einem Anker auf der anderen Seite und lässt sich damit für Retouren nicht verwenden.

Mit anderen Schlössern könnte Lockbox also auch noch wiederverwendbare Päckchen schaffen und damit Online-Shopping vereinfachen. Gerade weil immer mehr Menschen auch Kleidung online kaufen, steigt die Zahl der Rücksendungen. Aktuell verwendete Päckchen, die man selbst wieder zukleistern muss, sind hier keine praktische Lösung. Dieses Potenzial scheint Lockbox zumindest im ersten Schritt nicht nutzen zu können oder einfach noch nicht erkannt zu haben. Hierfür wären auch Geschäftsabschlüsse mit Versandunternehmen notwendig, was viel Aufwand erfordern würde.

Start im Frühjahr möglich

Einen weiteren Nachteil neben den so nicht möglichen Retouren hat das Konzept ebenfalls: Das Drahtseil kann wie jedes andere auch mit der notwendigen kriminellen Energie und dem passenden Werkzeug vom bösen Nachbarn geknackt werden. Und wer die Plastikbox öffnen will, der schafft es auch, wenn er die notwendigen Hilfsmittel hat. Lockbox ist also weniger sicher als eine Direktübergabe vom Boten an den Empfänger. Aber besser als das Paket einfach im Treppenhaus zu hinterlegen, ist das Konzept allemal.

Lockbox strebt Partnerschaften zunächst mit Online-Shops an, die Ware nach dem Prinzip der Berliner versenden. Der Kunde zahlt neben der einmaligen Kaution für das Schloss pro Lieferung 2,50 Euro – es sei denn, der Shop übernimmt die Kosten. Das Ankerschloss selbst soll kostenlos mietbar sein. Laut den Experten von t3n strebt Lockbox einen offiziellen Start im Frühjahr 2014 an.

Quelle: neuerdings.com / Jürgen Vielmeier

 

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